spruced by marlene

good reads

Von Marlene | Veröffentlicht am: 17. Dezember 2016

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Es ist das letzte Wochenende vor Weihnachten und wenn es euch so geht wie mir, befindet ihr euch gerade in einem Zustand milder ausgewachsener Panik darüber, wie viele Geschenke ihr noch besorgen müsst. Bevor ich mich gleich in die Massen stürze, empfehle ich euch, diese sechs Bücher zu verschenken. Und wenn nicht an jemand anderen, dann an euch selbst. Als Belohnung für den Irrsinn, der sich Dezember nennt.

| Die trinkende Frau |

Ich empfehle dieses Buch nicht, weil ich darin vorkomme. Auch nicht, weil ich darin sternhagelvoll vorkomme. Obwohl ich finde, dass das gute Gründe wären, ein Buch vorzustellen. Ich empfehl’s, weil es Elisabeth Raether gelungen ist, ein tiefgründiges Buch über ein lustiges Thema zu schreiben. Man könnte auch sagen ein lustiges Buch über ein tiefgründiges Thema. Es handelt – man kann es erraten – vom gepflegten Trinken. Fünf Jahre lang hat Elisabeth eine Kolumne mit gleichem Titel für das ZEITMagazin geschrieben. Jedes Mal, wenn eine neue Folge erschien, bat ich sie, doch bitte, bitte, bitte öfter eine zu schreiben. Ich wollte sie nicht zur Alkoholikerin machen. Sie schreibt nur leider so gut (nicht nur übers Trinken), dass es (wie mit dem Trinken) viel zu viel Spaß macht. Nun gibt es die gesammelten Kolumnen als Buch und glücklicherweise hat sie noch einige mehr dazu geschrieben, in denen es nie bierernst und meist sehr champagnerlaunig zugeht. Mir fällt jedenfalls sonst niemand ein, der Aperitifs, Krankengymnastik, die Obsession mit Wellness und mies gelaunte Berliner Busfahrer auf zweieinhalb Buchseiten so zusammenfassen kann, dass man gleichzeitig blendend unterhalten wird und sich danach smarter vorkommt. Das ist eine große Kunst. Und ein reines Lesevergnügen.

Die trinkende Frau von Elisabeth Raether, mit Illustrationen von Jean Jullien
Piper, 14 €

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| Dear Mr. You |

Ein Tipp, den ich bei Okka gelesen habe und sofort weitergeben muss. Denn erstens: Mary-Louise Parker hat ein Buch geschrieben? Wie großartig! Und zweitens: Mary-Louise Parker hat ein richtig gutes Buch geschrieben. Wie großartig! Ich habe es mir im Original bestellt und wie immer, wenn ein englisches Buch ankommt, bin ich baff, dass auf dem Einband die dollsten Lobhudeleien über den Titel zu lesen sind, aber nirgendwo steht, wovon das verdammte Ding handelt. Über Dear Mr. You steht da zum Beispiel „Funny, heartbreaking and profound“ und „That Ms. Parker’s book is so seriously good seems like overkill. But it is.“ und auch „Full of poetry, with lines as startling as breaking glass.“ Stimmt alles. Hätte ich trotzdem nicht alles wissen müssen, denn schon die Idee ist überzeugend: Mary-Louise Parker erzählt ihr Leben anhand von Briefen an die Männer nach, die sie geprägt haben. Ihr Großvater und Vater, ein Lehrer an der Uni und ihre Liebhaber, der Doktor, der sie vor dem Tod gerettet hat und der Mann, der sich einmal in ihre Tochter verlieben wird. Sie schreibt so ungeschützt, wie es sich berühmte Schauspielerinnen normalerweise nicht zulassen und das einzige, was sie zurückhält, sind die Namen ihrer Liebhaber. Tatsächlich habe ich sowieso nach ein paar Seiten vergessen, dass hier eine berühmte Schauspielerin schreibt, sondern habe nur eine lebensverknallte, wagemutige, heillos romantische Frau gesehen, die einen gegen die Wand schreibt.

Dear Mr. You von Mary-Louise Parker
Scribner, um 13 €
Auf Deutsch erschienen als Die Männer meines Lebens
S. Fischer, 20 €

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| Das Fürchten verlernen – 7 Mutproben, die alles verändern |

Ich versuche es mir vorzustellen: Ein Mädchen ist neun Jahre alt als die eigene Mutter zuerst das Bett und dann das Zuhause nicht mehr verlassen kann. Angst hat sie krank gemacht, doch über Therapiemethoden wird in den 90er Jahren noch wenig nachgedacht, weder für die Mutter noch für ihre Familie. Und so muss das Mädchen einen eigenen Weg finden, mit der Krankheit und ihren Auswirkungen umzugehen. Ich stelle mir vor, dass sie viele Wege hätte gehen können. Miriam Stein hat sich nicht weggeduckt, sie ist der Angst entgegengetreten. In sieben Lebensschritten erzählt sie von sehr persönlichen Herausforderungen, so unterzieht sie sich als Erwachsene etwa einer genetischen Analyse, um mehr über ihre Identität als Adoptivkind zu erfahren, aber auch von Ängsten, die viele umgeben. Angst um die Existenz, Angst vor dem Scheitern, Angst um die Kinder. Ich stelle mir vor, dass es unglaublichen Mut gekostet hat, dieses Buch zu schreiben. Nicht, dass die Autorin sich dafür je selbst auf die Schulter klopfen würde. So eine ist sie nicht. Ihre Texte sind klug, unaufgeregt und reflektiert, mit großer Empathie geschrieben, aber komplett unsentimental und sie schaffen etwas Besonderes: dass dieses berührende Buch über die Angst am Ende Mut macht.

Das Fürchten verlernen von Miriam Stein
Suhrkamp, 14,95 €

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| Swing Time |

White Teeth von Zadie Smith ist eines dieser Bücher, die ich gefühlt in einem Atemzug gelesen habe und das mich komplett durchgepustet hat. Die Sprache. Der Humor. Die Präzision. Die schiere Dreistigkeit, als ersten Roman eine so umfassende Generationengeschichte hinzulegen als sei es eine Selbstverständlichkeit. Seitdem habe ich jedes von Smiths Büchern gekauft. Manche mochte ich mehr als andere. Swing Time liebe ich schon nach 20 Seiten, denn mehr habe ich bisher nicht geschafft und bei meinem aktuellen Lesetempo dürfte es eine Weile dauern, bis ich fertig bin. Macht aber gar nichts, denn ich verbringe so gerne Zeit mit den zwei Protagonistinnen aus London, die vom Tanzen träumen. Es ist wieder eine Erzählung über das große Ganze, über Identität, Herkunft, Bestimmung, Freundschaft, aufgeschrieben von jemandem, der zum Schreiben bestimmt ist.

Swing Time von Zadie Smith, bisher nur auf Englisch erschienen
Hamish Hamilton, um 13 €

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| Domino – Your Guide to a Stylish Home |

Früher, wenn Kollegen nach Amerika flogen, habe ich oft darum gebettelt, dass sie eine Ausgabe von Domino mitbringen. Dann kam die Finanzkrise von 2008, ich hatte plötzlich keine Redaktion mehr und auch Domino wurde dichtgemacht. Magazine, das schien festzustehen, braucht bald keiner mehr. Nicht bloß aus persönlichen Gründen – ich schreibe noch immer für Zeitschriften, ich liebe Zeitschriften noch immer – habe ich einen Luftsprung gemacht, als Domino 2013 wiederbelebt wurde. Es erscheint jetzt vier Mal im Jahr, auf der Website gibt es, ganz zeitgemäß, täglich Neues. Gehüpft vor Freude habe ich auch, als vor kurzem Your Guide to a Stylish Home in unserer Wohnung ankam. Am Buch, wie am Magazin, verehre ich, dass die Macher Design so unmissverständlich ernst nehmen wie man es muss, um 270 Seiten lang über das ideale Arrangement von Vasen und die Anatomie einer Käseplatte zu reden. Kein Witz, es gibt ein Unterkapitel mit dem Titel „anatomy of a cheese plate“. Sehr gelacht habe ich auch bei „understanding upholstery“ und „the art of the layered bed“. Dieses Buch, das in zehn Kapitel unterteilt ist, von „seating“ über „walls“ und „flooring“ bis „entertaining“, ist bei aller Nerdigkeit nie abgehoben und unumstößlich kompetent. Hier steckt in jeder Bildunterschrift ein hilfreicher Tipp, dazu gibt es haufenweise fabelhafte Beispielbilder, Experteninterviews und Rat in der style school. Ein Buch, das man am besten mit einem frischen Paket Post-Its liest, weil man alle paar Seiten etwas markieren will (auch wenn man im Leben keine Käseplatte arrangieren wird).

Domino – Your Guide to a Stylish Home, auf Englisch
Simon & Schuster, um 24 €
Ebenfalls sehr empfehlswert ist der Vorgänger Domino – The Book of Decorating
Simon & Schuster, um 24€

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| Eat in my kitchen – kochen, backen, essen und genießen |

Wenn wir irgendwann mal wieder eine komplette Küche haben, koche ich als erstes ein Rezept von Meike Peters. Vielleicht die Bratkartoffeln mit Fenchel. Oder die Zitronen-Ricotta-Pasta. Das Hühnchen mit Riesling und Holunderblüten. Oder Flusskrebs mit Rote-Beete-Mousse auf Sauerteigbrot. Nein, vermutlich werden es die Zitronen-Kardamom-Milchhörnchen. Das Buch ist aus Meikes gleichnamigem Blog hervorgegangen, den sie schlicht deshalb anfing, weil sie das Kochen liebt. Und sie kocht so unkompliziert gut, dass man ihr Essen gleich noch mal mehr mag. Die Rezepte, von denen viele aus einer Mischung deutscher und mediterraner Küche enstanden sind, erfordern keine schwer auffindbaren Gewürze oder teure Utensilien. Das Einzige, was man wirklich braucht ist Freude daran, in der Küche zu stehen, Musik zu hören, eine Flasche Wein aufzumachen und zu schnippeln, rühren, servieren. Fünf Sternchen für Eat in my kitchen.

Eat in my kitchen – kochen, backen, essen und genießen von Meike Peters
Prestel, 29,95 €

 

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1 Kommentar

  1. Meike
    Posted 8. Januar 2017 at 10:10 | Permalink

    Thank you Marlene <3 Let me know when your kitchen is up and running, I'd love to cook together with you for my meet in your kitchen series. Lots of love for the new year!

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