spruced by marlene

eating well with hemsley + hemsley

Von Marlene | Veröffentlicht am: 31. März 2015

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Die Hemsleys kommen nach Berlin. Die Hemsley kommen nach Berlin? Aaaaaahhhhhhh!!!

Als ich das vor ein paar Wochen mitbekam, wurde ich kurz zum kreischenden Teenager, bevor ich mich wieder in den Griff bekam und ein Treffen mit den beiden anfragte. Woran man erkennen kann, wie begeistert ich von ihrem Kochbuch „Natürlich gut essen“ bin. Ich mag die Blaubeerpfannkuchen mit Mango-Cashew-Creme und die Acai Bowl, den schneller-als-Toast Courgette Salat und die grünen Bohnen mit gerösteten Kokosflocken, die Maki Rolls mit Gurken und Krabben und die schwarze Bohnen Brownies. Himmel, die schwarze Bohnen Brownies!

Was bei den Gerichten vielleicht erstmal gar nicht auffällt: die Hemsleys kochen ohne Zucker, nach Zutaten wie Weißmehl und anderen Getreiden muss man im Buch auch gar nicht erst suchen. Rezepte, die haargenau das nicht anbieten, was mir am einfachsten fällt – Sandwiches und Pasta – finde ich gewöhnlich erstmal anstrengend. Ich werde eh biestig, wenn ich das Gefühl habe, mir klaut jemand etwas vom Teller, was lecker schmeckt. Deshalb habe ich auch noch nie eine Diät länger als eine Woche durchgehalten und als ich es doch mal geschafft habe, wäre ich vor Hunger beinahe bekloppt geworden. Bei dieser speziellen Form der Folter durfte man zwei Wochen lang nur Eier und Steak essen. Vermutlich auch noch andere Köstlichkeiten wie rohen Staudensellerie. Ich kann mich bloß nicht mehr daran erinnern. Mit den vier Kilo, die dadurch runter kamen, und danach natürlich sofort wieder drauf waren, hatte ich ziemlich sicher auch an Grips verloren.

Eine komplette Ernährungsumstellung will ich auch nicht. Meistens essen wir nämlich schon ziemlich gut. Ich habe aber gemerkt, dass dieses Kochbuch wie ein weicher Reboot funktioniert, besonders nach Wochen, in denen sich die Tiefkühlpizzaschachteln stapeln, wir ständig Takeaways kaufen und ich überlege, ob kalter Reis vom Vorabend mit Honig nicht ein top Mittagessen ist. In solchen Wochen fühle ich mich immer träge und dauerhungrig. Die Gerichte, die ich bisher von den Hemsleys ausprobiert habe, machen dagegen richtig satt und, mir wichtig, sind leicht nachzukochen.

Mag daran liegen, dass Melissa (oben links) und Jasmine sich das Kochen selbst beigebracht haben. „Wir hatten nie vor, Köche zu werden,“ sagt Melissa. „Wir dachten, das bedeutet am Le Cordon Bleu zu lernen, die ganze Zeit angebrüllt zu werden und von morgens um acht bis nachts um zwei am Herd zu stehen. Darauf hatten wir keine Lust.“ Das Interesse an guter Ernährung kam vielmehr daher, dass Jasmine jahrelang sah, wie es falsch gemacht wird. „Ich habe als Model gearbeitet und da geht es ständig darum, wie man aussieht und was man isst. Jeder hat etwas anderes erzählt. Iss nur Fleisch! Iss kein Fleisch! Verzichte auf Zucker! Verzichte auf Fett! Ich wolle herausfinden, was wirklich gut ist und funktioniert.“

Melissa war ihre erste Testperson. Zusammen fingen sie dann an, auch Freunde zu beraten, von denen einer zufälligerweise ein bekannter englischer Rockstar ist – nein, sie wollten nicht mit dem Namen rausrücken – und plötzlich waren sie auf Monate ausgebucht. „Ganz egal, wer zu uns kam, die Leute hatten alle fast Angst vor Essen,“ sagt Jasmine. „Frauen, die seit Jahren kein Frühstück mehr gegessen hatten, weil sie so die Kalorieneinnahme kontrollieren wollten. Oder die fettreduziertes Müsli mit Magermilch aßen, literweise Diet Coke tranken, aber nie ein Stück Geburtstagskuchen anrührten und gar nicht mehr wussten, wie man Essen genießt. Oder Leute, die es liebten zu kochen, aber vor lauter widersprüchlicher Informationen über Ernährung die Lust daran verloren hatten.“

Ihren Ansatz, schlicht „Essen soll man feiern“, teilen Hemsley + Hemsley inzwischen auf ihrem Blog für die britische Vogue und jetzt also auch in einem Kochbuch mit unkomplizierten und leckeren Rezepten.

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Melissa und Jasmine sind nicht nur gute Köche, sie sind lustig, smart und ich hätte mich stundenlang mit ihnen unterhalten können. Da ich aber nur 15 Minuten Zeit hatte, habe ich sie gefragt, mit welchen fünf einfachen Schritten man anfangen kann, besser zu essen.

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1 | Vermutlich erwartet jeder, dass wir Ratschläge geben wie: kauft Maca. Oder: esst Goji Beeren. Aber Veränderung fängt viel simpler an. Punkt 1: Im Zweifel immer erstmal ein Glas Wasser trinken. Viele Leute verwechseln Hunger mit Durst. Nach einem Wasser mit Zitronensaft und Ingwer kann man viel klarer darüber nachdenken, ob man tatsächlich hungrig ist und wenn ja, worauf man Appetit hat, statt einfach etwas in sich zu stopfen.

2 | Mit gesättigten Fetten kochen. Natives Olivenöl oder Leinsamenöl sind nicht nur hitzestabil, sie geben Energie langsam ab. Man braucht Fett, um Vitamine zu absorbieren. Und mit Butter, Kokosöl oder Ghee schmeckt das Essen einfach besser.

3 | Selbst kochen. Das bedeutet nicht, dass man jeden Tag in der Küche stehen muss. Wir veranstalten gerne einen Sunday cook-off, bei dem wir von allem doppelte Portionen machen und die Hälfte einfrieren. Das spart Zeit und Geld.

4 | Bewusster und langsamer kauen. Es ist völlig sinnlos, mit bestem Fleisch und Bio-Gemüse zu kochen, wenn man sein Essen runterschlingt. Es heißt, man ist wie man isst. Das mag unappetitlich klingen, aber wir glauben: Man ist wie man verdaut. Also hört auf euren Bauch.

5 | Niemals spätabends essen, sonst verdaut man im Schlaf, statt zu entgiften. Sie haben ein Baby, das sich nicht an Abendbrotzeiten hält? Dann sind die anderen Schritte umso wichtiger.

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Melissa und Jasmine vor der Buchpräsentation mit den Köchen Tommy Tannock und Johnnie Collins aus dem The Store im Soho House Berlin. Die kochen übrigens auch fantastisch gut.

P.S. Die ersten 40 Besteller von „Natürlich gut essen“ über prego-shop.de (Link oben im Text) bekommen ein signiertes Exemplar und einen »Boil your Bones« Jutebeutel.

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3 Kommentare

  1. wiebke
    Posted 31. März 2015 at 19:16 | Permalink

    angesteckt!

  2. Rieke
    Posted 31. März 2015 at 20:11 | Permalink

    Hach, du schreibst toll, habs mir grad bestellt 🙂

Ein Trackback

  1. Von hemsley + hemsley’s acai bowl | spruced am 1. April 2015 um 13:58

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