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my style || anja

Von Marlene | Veröffentlicht am: 31. Oktober 2016

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Im Grunde ist dieses Blog ja vor allem eine Ausrede, Frauen, die ich toll finde, nach ihrem Stil auszufragen. Eine, die ich schon lange interviewen wollte, ist Anja Timme. Und zwar ab dem Tag, an dem ich sie letztes Jahr kennenlernte und auf eine vermutlich recht unhöfliche Art die ganze Zeit ihre Tasche anstarrte: ein halbmondförmiger Bambuskorb, von dem ich schon ahnte, dass er Vintage ist  – ist er wirklich, aber dazu später –, und mich nicht traute, danach zu fragen. Dazu hatte Anja einen Bleistiftrock an, T-Shirt und Turnschuhe und stand so kompetent lässig da, dass mir sofort noch zig weitere Fragen einfielen, die ich ihr über Mode stellen wollte.

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Erstens. Zweitens wollte ich wirklich wissen, was es mit den Korbtaschen auf sich hat, nachdem sie auch bei unserem nächsten Treffen eine trug, diesmal mitten im Winter zu einem flauschigen Wollmantel.

Überraschenderweise war Anja eher erstaunt, als ich mehr über die Taschen erfahren wollte. „Mir fiel erst auf, dass ich schon einige davon besitze, nachdem du mich darauf angesprochen hast“, sagte sie diesen Sommer, als wir uns für Fotos verabredeten. „Angefangen hat es wohl, weil ich eine Tageshandtasche suchte, die praktisch ist, trotzdem nach etwas aussieht und kein Vermögen kostet.“

Das Modell aus Bambus ist ein Stück Kindheit aus den 1980er Jahren, das Anja aufbewahrt hat. Auch der kleine Koffer, den sie auf den Bildern trägt, ist Vintage. Den an eine Reuse erinnernden Rucksack hat sie auf einer Reise in Südafrika gekauft. Und die Henkeltasche ist genau genommen keine Tasche, sondern ein Korb aus Seegras, den Anja umfunktioniert hat. Eine Idee, die ich mir sofort für unseren Urlaub auf La Maddalena von ihr abgeschaut habe. Und nicht das Einzige, was man von Anja lernen kann.

 

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|| Hab keine Scheu, etwas falsch zu machen. Zu keinem von Anjas Looks hätte ich automatisch eine Strohtasche erwartet, aber sie sehen trotzdem zu jedem Outfit genau richtig aus. Wer sagt denn auch, dass ein Korb-Köfferchen nicht perfekt zu schwarzer Hose und weißer Bluse passt? Oder ein Badeanzug zu einer Herrenhose? Oder neongrüne Turnschuhe zu einem Streublümchen-Kleid? Hinter dem Wagemut steckt aber auch Überlegtheit. „Wenn ich mit dem Anziehen eigentlich schon fertig bin, kommt oft ein Accessoire dazu, das zum Beispiel entweder eine Farbe aus dem Outfit aufgreift oder aber auch ein kompletter Kontrast dazu ist“, sagt sie. Ich habe mir für die Zukunft schon mal die Kombination Kornblumenblau zu Senfgelb notiert. Anders formuliert: Mit Anjas Sandalen von No. 21 wäre ich gerne davongelaufen.

 

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|| Freu dich über Details. Man sieht es auf den Bildern nicht, aber bei dem blauen Hemd hat Anja in die Manschette ihre Initialen einsticken lassen. Was man ebenfalls nicht sieht, ist, dass sie dieses Gespür für Feinheiten von ihrem Vater mitbekommen hat. Meistens sah man ihn in Jeans, Shirt und Lederjacke, aber er hatte Spaß an Mode und auch ein Anzug sah bei ihm nie langweilig aus. Immer gab es etwas Besonderes, das Anja auffiel und die gemeinsamen Vater-Tochter-Shoppingtouren sind wunderbare Erinnerungen. „Wir waren zu DDR-Zeiten modisch sehr limitiert“, sagt Anja. „Da hieß es ‚improvisieren‘ und darin war mein Vater ein Meister.“ Ihm würde es vermutlich auch gefallen, dass ein einfaches Hemd von H&M mit Initialen plötzlich wie maßgeschneidert aussieht.

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|| Zieh dich für dich an. Das klingt nicht nach einer bahnbrechenden Erkenntnis, aber ich kann nicht die Einzige sein, die immer mal wieder Sachen einkauft, die nicht ‚ich‘ sind. Dabei ist die Erkenntnis, wer man ist und was einem steht, ja eigentlich beruhigend und schön. „Ich trage auch mal Absätze, aber wenn man wie ich 1,80m groß ist, sind hohe Schuhe immer gleich eine Ansage“, sagt Anja und ist dafür lieber mit flachen Schuhen kreativ.

 

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|| Archiviere, archiviere, archiviere. Nicht nur einige der Taschen sind Vintage, eigentlich trägt Anja auf diesen Bildern wenig Brandneues. Dabei hebt sie ein Kleid von Zara ebenso auf wie einen Gürtel von Gucci aus den 1980er Jahren, bei dem aktuell einige schlangengrün vor Neid werden dürften. Vielleicht trägt sie die Teile für ein paar Jahre auch mal nicht, aber irgendwann kommt schließlich alles wieder. Nebenbei mag ich die Vorstellung, einen Kleiderschrank als Lebenssammlung zu betrachten.

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|| Sei dein eigener Stylist. Wir hatten beschlossen, im Botanischen Garten in Dahlem zu fotografieren. Was wir nicht beschlossen hatten, war, dass es den ganzen Tag dauernieseln würde. Ich hätte verstanden, wenn Anja möglichst schnell wieder nach Hause gewollt hätte. Stattdessen hat sie nicht nur durchgehalten, sondern sich auch beim dritten Outfitwechsel die Zeit genommen, ihre Ringe zu tauschen und die Hemdsärmel so zu falten, dass es zur Tasche besser aussah. Diese Aufmerksamkeit hat sie auch, wenn sie nicht gerade vor einer Kamera steht und ihr Bedacht, einzelne Teile zu einem vollständigen Bild zusammen zu puzzeln, bleibt in Erinnerung. Plus: Als ich mir heute morgen vorgestellt habe, ich sei mein eigener Stylist, hatte ich beim Anziehen gleich doppelt so gute Laune.

 

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| Look 1: Kleid von ZARA, Turnschuhe von ASICS, Rucksack von einer Reise nach Südafrika |

| Look 2: Badeanzug von ERES, Hose von OFF-WHITE, Sandalen von CÉLINE, Vintage-Gürtel von GUCCI, japanischer Picknickkorb* |

| Look 3: Hemd von H&M, Shorts von ZARA, Sandalen von NO. 21 , Korb von PARKHAUS |

| Look 4: Smokinghose von TOPSHOP, Top von VICTORIA BECKHAM, Stiefeletten von CÉLINE, Vintage-Strohtasche |

*Ich konnte diesen Korb nicht vergessen und hab das Netz nach etwas Ähnlichem durchsucht. Und gefunden! Tadaa: Gaias Ark von CULT GAIA. Aber was ich bloß mit dem Zoll…)

 

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1 Kommentar

  1. Farbenfreundin
    Posted 25. November 2016 at 13:16 | Permalink

    Wow, was n cooler Style. Sehr mutig und toll farbenfroh! Klasse und Dankeschön für das Interview. Mich langweilen ja Blogs mit Outfit-Posts, aber so mag ich das gerne. Sowieso liebe ich Interviews, weil man dann ein wenig mehr von den Frauen erfährt. Deshalb gibt es auf meinem Blog auch regelmäßig Interviews und der Aufhänger ist die happytime und das happyfood.
    Danke und Gruß
    Bärbel aka Farbenfreundin

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